Das Ende des künstlerischen Absolutismus
René von Nerdcore hat den Podcast der Kanzlerin auf YouTube gestellt und konsequenterweise unter Comedy getagt. Denn niemand weiss so recht, wie sie das “Herunterladen von Computern” stoppen will:
Allerdings will ich auch nicht zu kritisch sein, da ich nicht wirklich eine andere Reaktion erwartet habe, wenn die Musikindustrie samt kleiner Künstler wie Grönemeyer, Tokyo Hotel und Udo Lindenberg vor der Tür steht. Merkel muss nicht ganz zu unrecht davon ausgehen, dass sich eine bestimmte Zahl junger (potenzieller) Wähler mit ihren Idolen in dieser Sache identifiziert, ob sie schon mal selber “runtergeladen haben” oder nicht. Schließlich wollen ja alle Superstar sein und begreifen noch nicht, dass in der digitalen Welt jeder Künstler sein kann, aber niemand “Star” a la Tokyo Hotel oder Grönemeyer.
Mich treibt dabei keineswegs der Neid, jeder talentierte Künstler sollte von Gesang, Malerei und Schauspielerei leben können, aber eben aufgrund dieses Talents und nicht Dank der technischen Möglichkeiten moderner Tonstudios oder den Bemühungen unzähliger Marketingabteilungen. Die Nutzung von P2P mündet nicht in eine kreative Anarchie, sondern reguliert einen Markt, der groteske Schöpfungen hervorgebracht hat, die mit hergebrachten Vorstellungen von Musik oder filmischer Kunst mehr viel zu tun haben. Oder um es anders auszudrücken, Tokyo Hotel sollten nicht mehr als eine Schülerband sein und Atze Schröder irgendwo in einem Vereinsheim auftreten.
Man muss außerdem kein Marxist sein, um überzogene Profite die mit Verwertungsrechten gemacht werden abzulehnen. Ich habe das Geschwaffel vieler Künstler satt, sie würden was weiss ich wie viel arbeiten. Talent und Kreativität sind Geschenke der Natur (oder gleich von Gott, wenn man sich manche Kreativabsolute so anhört) und es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass sie härter arbeiten, als jemand der 35 + x Stunden der Woche einer anderen Tätigkeit nachgeht. Eine gewisse Obergrenze tut allen gut, wenn man sich z.B. den Lebensabend von Paul McCartney anschaut, den er ausschließlich damit zu verbringen scheint, sich mit Heather Mills um bizarre Summen seines Vermögens zu streiten.
Der Reichtum der Beatles, Stones oder Madonna sind historische Phänomene auf die man - den Kopf schüttelnd - zurückschauen wird. Möglich gemacht und viel zu spät beendet durch die technische Entwicklung, wird man sagen. Von der europäischen Politik dürfen wir uns hierbei nicht viel erhoffen, schon gar nicht seit - die kleine Künstlerin in Persona - Carla Bruni in den Elysee-Palast eingezogen ist.
Tags:angela_merkel, Film, Kunst, Musikindustrie, P2P, verwertungsrechte


