Zukunft und Vergangenheit der Wikipedia

Im aktuellen Economist ist sowas wie die “nackte Wahrheit” über den Wikipedia-Gründer Jimmy Wales zu lesen, der wohl noch nie die personalisierte Wohlfahrt war. Der Artikel beschreibt den Weg, der zur Entstehung der Wikipedia führte, als eine Mischung aus philosophischer Experimentierfreude und Profitstreben von Sanger und Wales. Damit kommt er der Wahrheit sicher näher, als die glorreichen Metaphern, die sonst aufgeboten werden.

By the late 1990s, Mr Wales was investing in a website called Bomis, a sort of search engine or web directory where “99% of the searches had to do with naked babes,” as Mr Foote, who was Bomis’s advertising director, puts it. Bomis did barely well enough to support its four employees, he says, but it enabled Mr Wales to fund his bigger fascination: an online encyclopedia. He invited Mr Sanger to be its editor, and in 2000 they started Nupedia. Experts were invited to write articles on various subjects, and the idea was that Nupedia would sell advertising and make profits.

Die Person Wales ist von der weiteren Entwicklung der Wikipedia kaum abzulösen. Eine Gemeinschaft, die anfangs von einem wohlwollenden Diktator wie ihm regiert worden ist und sich nun bisweilen in Grundsatzstreitigkeiten verliert, ist nicht unbedingt immer das Paradebeispiel für das sie häufig ausgegeben wird. Es fehlt der Wikipedia sowohl Legitimität als auch demokratische Verfahrenweisen, die von einer demokratischen Gemeinschaft allerdings zu erwarten wären. Entfernt lässt sich dies am Streit zwischen den sog. Inclusionisten und Deletionisten ablesen:

That is easier said than done. Wikipedians are quite willing to get back to work, and on some truly bizarre subjects. This has led to a running controversy between “deletionists” who would prefer to cover only noteworthy subjects on Wikipedia, as a more traditional encyclopedia would, and “inclusionists”, who want to accept anything, no matter how banal. A deletionist wonders what message it sends when there is more “knowledge” available about Pokémon characters than about quantum mechanics; an inclusionist responds that the Pokémon articles do not preclude the addition of more articles about quantum physics.

Um diesen Streit zu schlichten ist vielleicht ein gedankliches Modell aus der Politikwissenschaft von (begrenztem) Nutzen: Die Unterscheidung zwischen Input- und Outputlegitimität. Erstere kommt z.B. innerhalb eines Nationalstaats zu Stande, wenn besonders viele Menschen wählen gehen. Outputlegitimität hingegen soll auf supranationaler Ebene (EU) entstehen können, wenn die getroffenen Entscheidungen die Interessen der EU-Bürger wiederspiegeln, ohne dass diese am Entscheidungsprozess direkt beteiligt sein müssten. Eine funktionierende Demokratie, die nicht im Verdacht steht, an einem Demokratiedefizit zu leiden, bedarf allerdings beider Formen.

Die deutsche Wikipedia versucht gegenwärtig vor allem den eigenen Output zu optimieren, ohne dabei den Input allzu sehr einschränken zu müssen. Die anoyme Bearbeitung ist immer noch möglich, es erfolgt jedoch eine Sichtung der Artikel. Selbstverständlich müssen aber in einer demokratischen Gemeinschaft auch diejenigen, die sichten, von der Gemeinschaft legitimiert worden sein. In der Wikipedia ist dies auf einfache Weise kaum zu erreichen, da sich der Großteil der Bearbeiter mangels Interesse oder Praktikablität nicht beteiligen wird.

Schlüssig für die Nominierung der Admins und damit für den Input und Output der Wikipedia wäre eine deliberative Verfahrensweise, die helfen könnte unterschiedlichen Bestrebungen im Gleichgewicht und v.a. im Interesse der Leser zu halten. Dieses Gleichgewicht setze ich dabei voraus, da den Admins grundsätzlich nicht mehr als eine Prüfungskompetenz zugestanden werden kann, die wiederum kritisierbar und revidierbar bleiben muss.

Für mögliche Wahlen der Admins schwebt mir ein Modell vor, das dem von James L. Fishkin entwickelten Delibertive Polling folgt. Wahlberechtigungen bei solchen “deliberativen Abstimmungen” sollten gesampelt und nach Themengebieten und Zugriffshäufigkeit vergeben werden und nur ausgeübt werden dürfen, wenn damit eine Registrierung oder ein Login einher geht.

Die Bereitstellung und Ausführung von Auswahlmöglichkeiten im Rahmen solcher Abstimmungen sollte zur eigentlichen Aufgabe der Admins werden. Diese widerum sollten von angemeldeten Nutzern nach ebenfalls eingehender Deliberation gewählt werden. Überkomplex und technisch kaum machbar, erscheint mir diese Vorstellung immer noch besser als die Selbstzerfleischung des Wikipediakerns, die niemand besser symbolisiert als der stets getriebene Jimmy Wales.

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Offener Brief vom Internet an die Bundeskanzlerin

Als Teil des Internets und Teil der Diskussion um geistiges Eigentum muss sich auch hier ein Zitat des offenen Brief vom Internet an die Bundeskanzlerin finden.

Ein offener Brief vom Internet zum Tag des Geistigen Eigentums

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
gestern war der Tag des des geistigen Eigentums, und sie haben einen Brief von einhundert selbstlosen Kulturschaffenden erhalten, die aufgrund der unmoralischen Nutzung des Internets in Sorge sind, dass der Nachwuchs demnächst für sein Geld dauerhaft hart zu arbeiten gezwungen sein könnte und niemand mehr mit einem einzigen Supererfolg für alle Zeiten ausgesorgt haben wird.

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Was ist Netzneutralität?

Damian Kulash Jr. ist Leadsinger der Band OK Go (wir erinnern uns) und diskutiert in einem ausgezeichneten Beitrag für die New York Times das Problem neutraler Datenübermittlung im Internet, allgemein bekannt unter dem sperrigen Begriff Netzneutralität:

If you haven’t been following the debate on net neutrality, you’re not alone. The details of the issue can lead into realms where only tech geeks and policy wonks dare to tread, but at root there’s a pretty simple question: How much control should network operators be allowed to have over the information on their lines?

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Das Innenleben der ICANN

Nach drei Jahren im Vorstand der ICANN beschreibt Joi Ito die Gründe für seinen Rückzug und eröffnet einen Blick auf die Entscheidungsstrukturen der Organisation:

The problem that ICANN has is not one of being unfair, the problem that ICANN has is the difficulty and time required in trying to reach consensus on difficult issues. The other problem is that most of the people who are affected by the decisions, the average users, don’t know or care about ICANN. Trying to figure out an better way to get their input has always been an issue, but is one that is not unique for ICANN. All of politics and collective action share the difficulty in getting the public to care about issues that affect them.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, bekommt mit Hilfe des Artikels von Jeanette Hoffmann einen sehr guten Überblick.

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IGF 2007 Brasilien

Es gibt neben den zahlreichen Artikeln über das Internet Governance Forum in Brasilien auch schon ein paar Videos(leider nur Windows Media Player), die aber nicht ganz befriedigend sind. Besser hält man sich für den Kontakt mit dem Thema an das Netzpolitik-Interview mit Jeanette Hoffmann und für aktuelle Details an die Berichte von Heise.

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Obama spricht über Netzneutralität auf MTV

Einfacher geht’s nicht, aber die Botschaft zählt:

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