Kartographierung der deutschen Blogosphäre

Bei netzpolitik.org findet sich heute ein sehr interessantes Interview mit John Kelly, der Gründer von Morningside Analytics und zudem Partner des Democracy & Internet Projekts ist. Er hat bereits die US-Blogosphäre sowie die des Irans kartographiert und nimmt sich nun andere Länder vor, darunter auch Deutschland.

Sowohl die Methodik als auch die Ergebnisse seiner Projekte sind interessant. Es zeigt sich, dass etwa in den USA Politikblogs und im Iran Poesieblogs eine große Rolle spielen. Wobei die Unterschiede da wohl fließend sein dürften.

Was uns vielleicht seltsam erscheint, ist der natürlichste Ausdruck nahöstlicher Kultur (vielleicht der wesentliche Grund warum wir den Erfolg der al-Qaida Propaganda nicht verstehen).

Die Analyse der deutschen Blogosphäre gibt leider nicht so viel her, dass Spiegel und co wichtig sind, war uns glaube ich, vorher schon klar. Erstaunlich ist der große Anteil von Spamblogs, aber lest und hört selbst…

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Twitter: ARRESTED

In der deutschen Blogs kann man derzeit viele (teils wirre) Stellungnahmen pro und contra Twitter lesen und ich muss zugeben mittlerweile auch einen Account zu haben, wenn ich auch immer noch nicht genau weiss wozu. Der Journalismusstudent James Karl Buck hatte Glück, dass es der ägyptischen Polizei ähnlich geht [via]:

BERKELEY _ When Egyptian police scooped up UC Berkeley graduate journalism student James Karl Buck, who was photographing a noisy demonstration, and dumped him in a jail cell last week, they didn’t count on Twitter.Buck, 29, a former Oakland Tribune multimedia intern, used the ubiquitous short messaging service to tap out a single word on his cellular phone: ARRESTED. The message went out to the cell phones and computers of a wide circle of friends in the United States and to the mostly leftist, anti-government bloggers in Egypt who are the subject of his graduate journalism project.

The next day, he walked out a free man with an Egyptian attorney hired by UC Berkeley at his side and the U.S. Embassy on the phone.

Twitter, the micro-blogging service for cell phone users, allows messages up to 140 characters long. Twitter users can allow anyone they wish to join their network and receive all their messages. Buck has a large network, so Twitter gave him an instant link to the outside world.

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Netzaktivismus bei Spreeblick

Ich habe mit Interesse das Interview von Frèdèric Valin (Spreeblick) mit Simon Columbus gelesen, der sich in Folge der Free Burma Aktionen weiteren Projekten im Netz gewidmet hat. Mein Sicht auf die Burma Aktionen ist allerdings nicht so pessismistisch wie die der beiden, da ich glaube, dass man mit dem Grad der Aufmerksamkeit und vor allem der Dokumentation der Geschehnisse bereits viel mehr erreicht hat, als noch vor einigen Jahren vorstellbar gewesen wäre.

Wenn Valin fragt, welche politische Relevanz das Einbinden von Bannern hat, dann würde ich antworten, eine nicht zu unterschätzende, weil man da jemand gewonnen hat, der sich u.U. gar nicht sichtbar engagieren würde. Zu glauben, dass Protest dem Protestierenden immer etwas abverlangen müsste, halte ich für richtig aber auch etwas anmassend, da potentielle Aktivisten erst mal die einfachen, wenig kostenintensiven Partizipationsformen nutzen müssen, um sich auf dieser Basis überhaupt weitergehend engagieren zu wollen. 

Wenn es Valin vor “diese(r) Fixierung ein bisschen gegruselt” hat, dann widerspricht seine Intuition völlig der meinen. Ich fand es großartig, dass sich so viele für ein außenpolitisches Thema haben motivieren lassen, auch wenn das Interesse wie einfach zu erwarten, schnell abgerissen ist. Seine Zweifel sind in diesem Fall die Zweifel derjenigen, die sich immer als wissender und subversiver als der naive Pulk sehen. Die Wahlkampagne von Obama zeigt hingegen, wie man aus dünnen aber weitverzweigten Wurzeln einen großen Baum ziehen kann, wenn man nur den bloßen Willen etwas zu ändern ernst nimmt. So weisst Columbus zurecht daraufhin, dass die erfolgreichste Gruppe von “Netzaktivisten” in Deutschland beim AK Vorrat zu finden ist, wobei das Engagement vieler dort vielleicht auch mit der Schäublone begonnen hat.

Ein anderer Punkt ist die schlechte Vernetzung der deutschen Blogosphäre, die aus dem Dilemma mittlerer Größe des deutschsprachigen Raums entstammt, allerdings nicht erklärt, warum es so gut wie überhaupt nix reichweitenstarkes auf englisch gibt:

Simon Columbus: Da treffen eine ganze Menge Faktoren zusammen. Ich wage mal zu behaupten, dass die unglaublich schlechte Vernetzung der deutschen Blogosphäre mit dem Ausland ein wichtiger Punkt ist. US-Techblogs mal ausgenommen liest doch kaum jemand über die eigene Sprachgrenze hinweg. Viele englischsprachige Blogs aus dem arabischen Raum zB werden zu gut 50 % von Amerikanern gelesen - Deutsche verirren sich dagegen so gut wie nie in dahin. Ein anderer Punkt ist sicher, dass wir in Deutschland kaum Streik- und Streitkultur haben. Die Anlässe, aus denen Blogger an irgendwelchen Protestaktionen teilnehmen, stammen in Deutschland fast alle aus dem Bereich der Überwachungsgegner, da steht mit dem AK Vorrat eine richtige Organisation dahinter. Initiativen von Einzelpersonen im politischen Bereich gibt es einfach bis auf wenige Ausnahmen keine. Das machen nur SEOs.

Wenn sich keiner traut, mal eine Aktion zu starten - vor allem die „Großen“ der Blogosphäre nicht - über was soll man dann in Sachen „digitaler Aktivismus“ berichten?

 

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Die Revolution frisst vielleicht ihre eigenen Kinder

Jan Schmidt hat sich Zeit genommen und für das Medienmagazin Berliner Journalisten einen Essay zum allseits umstrittenen Thema “Blogs und Journalismus” verfasst. Man muss ihm dankbar dafür sein, dass er das aufgreift, was - so würde ich mal tippen - der Großteil des Longtails denkt (Zahlen wären interessant).

Statt als direkte Konkurrenz lassen sich Weblogs also eher komplementär zum Journalismus begreifen, denn sie ermöglichen Anschlußkommunikation, die massenmediale Botschaften in kleinere soziale Netzwerke trägt und dort weiter verbreitet. Dies schließt nicht aus, dass sich in der Blogosphäre themen- oder anlassbezogene Öffentlichkeiten bilden, die wichtige gesellschaftliche Fragen aufgreifen und den Diskurs sowie die politische Mobilisierung fördern. Beispielsweise artikuliert sich die Kritik an den Einschränkungen von Freiheitsrechten durch die Bundesregierung – Stichworte wären hier etwa Vorratsdatenspeicherung und „Stasi 2.0“ – maßgeblich in Weblogs, wo auch für Demonstrationen und die bislang größte Verfassungsbeschwerde geworben wurde. Im Verhältnis zu der Aufmerksamkeit, die der professionelle Journalismus kanalisieren kann, handelt es sich jedoch um kleine Publika. Eine Überhöhung von Weblogs zur gesellschaftlichen Gegenöffentlichkeit wie umgekehrt die Banalisierung ihre Inhalte als „Laienjournalismus“ hilft deswegen nicht weiter, sondern erschwert den Blick auf die tatsächlichen Veränderungen in den vernetzten und individualisierten Öffentlichkeiten des Internets.

Den wenigsten von uns stehen Quellen jenseits der klassischen journalistischen Erzeugnisse zur Verfügung, ob man diese nun kritisch beäugt oder lediglich weiterverbreitet, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Der Unterhalt eines politischen Blogs ist ohne überhaupt nicht denkbar, ist man nicht zufällig von Berufswegen ständig an den interessanten Orten der Welt. Man mag einwenden, dass es deutschen Bloggern an Gelegenheiten fehlt, sich einen Watchblogstatus zu verdienen, allerdings ist das selbst an geschehensreicheren Orten nicht viel anders. Dramatische Beiträge sind selbstverständlich nicht gleichzusetzen mit besonderen journalistischen Fähigkeiten, vielmehr hat man es lediglich mit meist unbeteiligten Beobachtern zu tun, deren Zeugnis allzu leicht vergessen werden könnte, gäbe es nicht Initiativen wie Global Voices

Es ist deshalb auch etwas bizarr, dass sich gerade Blogger und Journalisten anfeinden, die sich eigentlich qualitativ befruchten müssten. Eine gute Reportage wächst durch zusätzliche Meinungen und ein guter Blogeintrag durch Verweise auf mühsam erarbeitete Reportagen. Was beide Gruppen jedoch nicht mögen können, sind großen Nachrichtenseiten, die mit Klatsch und Praktikanten ein Angebot finanzieren, dass der Markt eigentlich nicht braucht (er weiss es nur noch nicht). 

Angenommen der Politikteil der Süddeutschen Zeitung sei sehr investigativ und angenommen der Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sei gesellschaftlich sehr bedeutsam, warum kommt es auf den Seiten dieser Zeitungen so rüber, als sei für sie Reise, Auto und Sport genauso wichtig? Warum keine Schwerpunkte setzen und sich auf deren Verbreitung durch Links konzentrieren (von mir aus mit ellenlangen Bilderserien)? Warum schreibt z.B. Heribert Prantl keinen Blog? Die bürgerrechtlich über alle Maßen interessierte Blogosphäre würde ihm sicher zuhören, wie man in den USA schon lange den thematisch spannenden und qualitativ hochwertigen New York Times Blogs von Paul Krugman oder Dubner/Levitt zuhört. 

Ich fürchte, am Ende wird doch wie nach der französischen Revolution nur eine Art Restauration folgen und die neuen Medien personell und formell zu einem bestimmten Teil in den alten integriert werden, ob man will oder nicht. Es geht eigentlich schon heute darum, wesentliche Bestandteile der “Bloggerkultur” zu retten und nicht frühzeitig vor den Falschen zu kapitulieren, weil die Armee (womöglich) hungert

 

 

 

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Blogoscoop - Was kann daraus werden?

Seit einiger Zeit bin ich mit diesem Blog (Alpha)tester des Blogvermessungstools Blogoscoop und glaube, dass das was aus Blogoscoop werden kann, nicht unbedingt einem Jahrmarkt der Eitelkeiten ähnlich sehen muss.

Natürlich stehen die Chancen neue Leser zu gewinnen für A-Blogger auch unter diesen Voraussetzungen besser, als für den Longtail. Jedoch sollte man nicht jede Entwicklung niederschreiben, bloß aufgrund des Verdachts, das Blogestablishment könnte übermäßig profitieren. Langfristig gehen so auch wesentliche Anreize für die (im Veröffentlichungsdatum) jungen Blogger verloren, die vielleicht nur daran interessiert sind, eigene Communities aufzubauen und von Trigami und Co. noch gar nix gehört haben oder hören wollen.

Die Chance, die ich hinter Blogoscoop sehe, ist die Möglichkeit Themensphären zu bilden und daher nehme ich mir die Freiheit die Funktionen und den Aufbau auch genau danach zu beurteilen.

(Das sich vielleicht auch die Möglichkeit ergibt, eine Art Social Network für Blogger zu etablieren, halte ich für interessant, fände es aber schade, wenn dieses recht spärliche Ziel für die weitere Entwicklung von Blogoscoop bestimmen werden sollte.)

Was Blogoscoop leisten kann, ist die Qualität und inhaltliche Reichweite des Longtails sichtbarer zu machen, indem in Rankings nicht mehr Birnen mit Äpfeln verglichen werden. Wenn jemand ein Blog über Wirtschaftspolitik führt, sollte man ihn mit anderen Wirtschaftsbloggern vergleichen können, um herauszufinden, ob sein Blog wahrgenommen wird oder ob er nur zweimal im Jahr einen werbenden Buchhinweis verfasst. Ein solche Unterscheidungsmöglichkeit sollte das wichtigste Ziel sein, die Funktionen können später kommen. Dazu ist es notwendig, ein bestimmtes Blog einer und nur einer Themensphäre zuzuordnen.

Weiter sollen sich “oft besucht” und bestimmte Tagfunktionen nur auf diese gewählte Sphäre beziehen. Somit ist man zwar noch längst nicht am Ende, vermeidet es aber wie wie Google oder Nielsen nur die Stärke der Strömung zu messen, sondern weiss nun zumindest schon mal, mit welchem Gewässer man es tun hat.

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Covering Britney is Cheaper.

Alisa Miller von Public Radio International zeigt uns in diesem Video, was so problematisch an dem Bild der Welt ist, das durch die heutige Medienlandschaft vermittelt wird [via]:

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Kyle gets it right

Nachdem ich den Livestream der Re:publica und zeitweise so auch die “hitzigen Diskussionen” auf dem Podium verfolgt habe, glaube ich (obwohl nicht anwesend) dass die jüngste Southpark-Folge mindestens genauso viel Analysekraft bereit hält:

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“Objektivität ist Schweinerei”

Heute habe ich keine Lust auf Techie-News und beschäftige mich mit der SZ-Serie über große Journalisten aus dem Jahr 2003:

Journalisten beargwöhnen oft insgeheim ihr Tun als mindere Kunst, machen sich nebenbei an Romane und Erzählungen, versuchen also, „Literatur“ zu produzieren, um gewisse Dauerhaftigkeit im Gedächtnis der Menschen zu erringen. Auch im Bilde, das sich die Gesellschaft von den Schreibenden macht, hat diese Sehnsucht ihre Entsprechung: Literatur, das ist es, was zählt; Journalismus, dieser Knecht der Aktualitäten und der Obsessionen der Zeit, hat in seiner dienenden Rolle nicht diesen Nachhall, auch wenn es ihm immer und immer wieder gelingt, sehr grundsätzlich und auf immer wahr zu sein.

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