Endnote vs. Zotero - Literaturverwaltung geht auch anders

Im vergangenen Monat haben wir uns im Rahmen der Free Culture Conference auf folgende Prinzipien geeinigt:

Free Culture an der Universitaet heisst:

  1. freier Zugang zu wissenschaftlichen Materialien (Open Access)
  2. freie Lern- und Lehrmaterialien (Open Educational Resources)
  3. Freie Software und offene Formate statt proprietäre Loesungen
  4. Universitaere Patente dienen dem Allgemeinwohl (Freie Software, Medikamente, …)
  5. Freier und nicht gefiltert oder zensierter Zugang zum Internet

Im Folgenden kommt es mir vor allem auf den dritten Punkt an:

Bislang war mir gar nicht bewusst, dass es mit Zotero eine Open-Source Alternative zu dem Literaturverwaltungsprogramm Endnote gibt, das in der Einzelplatzversion zu nicht gerade studentenfreundlichen Preisen zu haben ist und außerhalb von Universitäten und Forschungseinrichtungen vermutlich kaum genutzt wird.

Für die Universitäten stellt der Erwerb der Lizenzen eine Anschaffung dar, die nur von bestimmten Einrichtungen (mit dem entsprechenden Kleingeld) getätigt wird, was dazu führt, dass einigen Studenten in Deutschland die Software zu Verfügung steht, anderen hingegen nicht. Hinzu kommt, dass die Entwicklung in der computergestützen Literaturverwaltung in privaten Händen verbleibt, obwohl es sich dabei um etwas für die Wissenschaft essentielles handelt, was meiner Ansicht nach in der Universität stattfinden sollte.

Umso problematischer ist es, dass die Entwickler von Zotero vom Center for History and New Media der George Mason University gerade vom Eigentümer von Endnote auf 10 Millionen Dollar verklagt wurden, wie auf Slashdot zu lesen ist:

Thomson Reuters, the owner of the Endnote reference management software, has filed a $10 million lawsuit and a request for injunction against the Commonwealth of Virginia. Virginia’s George Mason University develops Zotero, a free and open source plugin to Mozilla Firefox that researchers may use to manage citations. Thomson alleges that GMU’s Center for History and New Media reverse engineered Endnote and that the beta version of Zotero can convert (in violation of the Endnote EULA) the proprietary style files that are used by Endnote to format citations into the open CSL file format.”

Was die Klage angeht, teile ich die Ansicht von Nelson Pavlovky von FreeCulture.org, der meint, dass sich Firmen, die es nötig haben ihre Kunden zu verklagen, ohnehin auf dem absteigenden Ast befinden:

It seems to me that if any universities are paying for site licenses for Endnote they should join George Mason University in refusing to renew their Endnote license and instead direct funds towards supporting Zotero development (or other developing open source citation management systems). Companies that sue their customers are usually on their way out anyway, it’s time to get off of the sinking ship and prepare for the future. The person who sent out the e-mail about the decision to the GMU community was John G. Zenelis, the “University Librarian/Associate Vice-President, Information Technology”… there may be someone with a similar position at your school who you could talk to. Why not try talking to your university librarian(s) today about transitioning your school from Endnote to Zotero?

Zu den einzelnen Details der Klage kann ich natürlich wenig sagen. Jedoch glaube ich, dass an der Position von Nelson etwas dran ist und wir als Studenten Alternativen zu der Vielzahl von kommerziellen Programmen finden müssen, die uns an den Universitäten um die Ohren geschlagen werden.

Zudem muss auch für Menschen die nicht eingeschrieben sind oder die nicht in der Forschung tätig sind, die Möglichkeit bestehen, auf moderne wissenschaftliche Hilfsmittel zurückzugreifen. Unabhängig davon, ob sich dabei lediglich um Office-Software, Statistikprogramme oder eben um Literaturverwaltung handelt.

Man darf deshalb gespannt sein, wie das Verfahren ausgeht und bis dahin fleißig das wirklich einfache Firefox-Plugin Zotero nutzen.

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Wie misst man Bildung?

Ein aktueller Artikel bei Telepolis greift die schon vielerorts geäußerte Kritik an den CHE-Rankings neu auf und bezieht sich auch explizit auf die mangelnde Offenheit gegenüber Open-Access Publikationen. Allgemein geht es um die unterschiedlichen Methoden mit denen versucht wird, Qualität im Bildungsbereich quantiativ zu messen.

Im Grunde ist dem nichts mehr hinzufügen, außer dem Aufruf eine Alternative zu schaffen, welche Studierende und Lehrende zu Wort kommen lässt, statt nur Zahlen und Profs. Ein Wiki wäre für hierfür wunderbar geeignet.

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Bayern 2 artmix.gespräch - Medienkunst und digitale Kultur

Beim Durchstöbern der Bayern 2 Podcasts sind mir einige interessante ältere Beiträge aufgefallen u.a. ein übersetztes Interview mit Lawrence Lessig, indem er - wie ich finde - fast noch klarer argumentiert als in seinen Free Culture Talks.

Lawrence Lessig - Info

Volker Grassmuck - Info

Jeanette Hoffmann - Info

Felix Stalder - Info

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Junkspace - Kommerzialisiertes Design

Auf der Suche nach einem neuen Design für diese Seite habe ich mir endlos Cascading Style Sheets (CSS) (in Verbindung mit HTML und XML) angesehen, die bestimmen wie ein ausgezeichneter Bereich einer Webseite aussehen soll.

In meinem Kopf hat sich dabei die Idee festgesetzt, das gerade die schönsten Ansätze modernen Webdesigns etwas fördern, das der niederländische Architekt Rem Kohlhaas als Junkspace bezeichnet:

“If space junk is the human debris that litters the universe, junkspace is the residue mankind leaves on the planet. The built (more about that later) product of modernization is not modern architecture but junkspace. Junkspace is what remains after modernization has run its course, or more precisely, what coagulates while modernization is in progress, its fallout. Modernization had a rational program: to share the blessings of science, universally. Junkspace is its apotheosis, or meltdown. … Although its individual parts are the outcome of brilliant inventions, hypertechnical, lucidly planned by human intelligence, imagination, and infinite computation, their sum spells the end of Enlightenment, its resurrection as farce, a low-grade purgatory.

Indem immer komplexere Strukturen für die Plazierung von Werbeanzeigen entwickelt werden, reproduziert sich die Karikatur des öffentlichen Raums in der realen Welt (das Einkaufszentrum) auch im virtuellen Raum.

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Rundfunkpolitik: Vorstöße in die Vergangenheit

Ich schreibe derzeit eine Hausarbeit zum Thema Rundfunkpolitik und habe deswegen wenig Zeit zum bloggen. Vielleicht hätte ich dies aber machen sollen, da ich zur Zeit von der Realität überholt werde, wenn ich Heise richtig verstehe:

In Bayern sollen Streaming-Angebote im Netz unter bestimmten Bedingungen künftig als Rundfunk gelten und nur mit einer Sendelizenz erlaubt werden. Der Medienrat der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) hat am vergangenen Donnerstag eine entsprechende Änderung seiner Fernsehsatzung verabschiedet. Im Kern geht es hierbei um eine Regulierung von Video-Streaming-Angeboten, wie sie mit Diensten wie Mogulus oder Netviewer.com möglich sind. Nach dem Willen der BLM sind demnach im “Streaming-Verfahren verbreitete” Angebote genehmigungspflichtig, wenn sie 500 bis 10.000 gleichzeitige Zugriffe ermöglichen und “programminhaltlich keine Bedenken bestehen”. Bei über 10.000 gleichzeitigen Zugriffsmöglichkeiten ist ein Organisationsverfahren wie bei einem normalen Kabelprogramm unter den Voraussetzungen des § 10  Abs. 2 und 3 der Fernsehsatzung notwendig.

Die Bayerische Landesmedienanstalt für neue Medien nimmt damit die Änderungen des Rundfunkstaatsvertrags vorweg, wie Christiane Schulzki-Haddouti in ihrem eigenen Blog schreibt.

Mir kommt das Ganze schon deswegen abstruß vor, da gerade von unionsgeführten Ländern das Argument der “Frequenzknappheit” im Zuge der Einführung des privaten Rundfunks in den achtzigern ad Absurdum geführt worden ist. Die Möglichkeit Streaming-Angebote umzusetzen, erfordert heute wenig finanziellen Aufwand und wird daher vielfach genutzt. Die Notwendigkeit eine Lizenzierung vorzunehmen, kommt aus einer anderen Welt.

Man erreicht auf diese Weise nur, dass derartige Angebote nicht auf bayerischem Boden gehostet werden, was jedem wirtschaftlichen Verständnis widerspricht, das in Landesmedienanstalten aber ohnehin nicht zu suchen ist.

Vielmehr spielen in solchen Gremien parteipolitische Erwägungen eine Rolle, wie sie in der Rundfunkpolitik allengegenwärtig sind. Die großen Parteien haben kein Interesse aus dem Status Quo der Berichterstattung über die Landtagspolitik auszubrechen. Jedoch wird es genau dazu früher oder später kommen, da eine vernetzte Welt diese Art der Einigelung nicht zulässt. In Zukunft wird Wahlkampf nicht nur mit Sendeminuten gemacht, sondern auch mit der technischen Artikulationsfähigkeiten der Parteien, die bislang sehr zu wünschen übrig lässt.

Die Regulierung neuer Medien kann in absehbarer Zeit allenfalls durch Verbotsregeln erfolgen. Für die Zukunft besteht wissenschaftlicher Nachholbedarf, um tragfähige Regulierungskonstrukte entwickeln zu können.

Gegenwärtige Regelungen führen nicht nur zu Rechtskollisionen, sondern geradewegs ins Chaos, weil die Steuerungseffizenz in der realistischen Regulierung neuer Medien so stark zu wünschen übrig lässt.

Im Übrigen könnte man sich kurzfristig den Aufwand sparen, wenn sich sowohl der Bayerische Rundfunk als auch die Parteien ein wenig internetaffiner zeigen würden.


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Das Internet und die Transformation der Musikindustrie

Ulrich Dolata sucht in einem Discussion Paper des Max Planck Zentrums für Gesellschaftsforschung Gründe für die Schwierigkeiten der Musikindustrie. Aus dem Abstract:

Die Rekonstruktion des technikgetriebenen Wandels der Musikindustrie zeigt, dass die wesentlichen Impulse der Restrukturierung von den Rändern des Sektors beziehungsweise von sektorexternen Akteuren ausgingen – und nicht von den etablierten Musikkonzernen. Diese haben die neuen technologischen Herausforderungen sehr zögerlich aufgenommen, darauf zunächst vor allem mit Blockadehaltungen und Eindämmungsstrategien reagiert und erst vor dem Hintergrund eines massiven und unabweisbaren Veränderungsdrucks damit begonnen, sich strategisch neu zu positionieren. Die geringe Antizipations- und Adaptionsfähigkeit der zentralen Akteure der Musikindustrie wird aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklärt. Neben (1.) generellen Schwierigkeiten der Antizipation grundlegend neuer technologischer Möglichkeiten und (2.) aufwendigen Prozessen der Etablierung neuer, zu ihnen passender institutioneller Rahmenbedingungen haben (3.) der technologische Konservatismus und (4.) die oligopolistische Struktur des Sektors zusammen mit (5.) den hierarchischen Organisationsstrukturen seiner führenden Unternehmen einen vom Kern des Sektors ausgehenden und durch ihn kontrollierten Wandel blockiert.

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GlobalVoices statt Nationalismus?

In einem langen Artikel lässt Rebecca MacKinnon ihre Erlebnisse während des GlobalVoicesSummit 2008 in Budapest Revue passieren. Ich stimmte ihr zu, es ist wirklich faszinierend welche Wirkung die neuen Medien in so kurzer Zeit entfaltet haben:

At the end of last week’s Global Voices Summit, one of our Middle Eastern bloggers came up to me and said: “nationalism is dead for me now.” He said that ten years ago he was a strong nationalist. Being a blogger and debating issues with other people online over the past few years has greatly weakened that feeling. Now after four days hanging out with bloggers from all over the world, nationalism makes no sense to him any more.

MacKinnon führt dies darauf zurück, dass es GlobalVoices gelingt, das Interesse an anderen Menschen und deren Leid zu wecken oder wie es Joi Ito formuliert, das “Caring Problem” zu lösen:

Global Voices is a super-important part in fixing what I call the “caring problem”. There is a systemic bias against reporting international news in most developed nations. When pressed, many editors will say that people just don’t want to read articles about other parts of the world. This is because most people don’t care. They don’t care because they don’t hear the voices or know people in other countries. I think that by providing voices to all over the world, we have the ability to connect people and get people to care more.

I also believe that voice is probably more important than votes or guns. I believe that combating extremism is most effectively done by winning the argument in public, not by censorship, elections or destruction. I believe that providing everyone with a voice to participate in the global dialog is key. The ability to communication and connect without permission or fear of retribution is a pillar of open society in the 21st Century. Global Voices is the best example of this that I know of.

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Hack, Mash & Peer

Jerry Brito von der George Mason University kritisiert in einem Working Paper ähnlich wie Felten et al. den Datengeiz der Onlinebemühungen der Regierungen, die sich im Wesentlichen darauf beschränken das Design zu überarbeiten statt Datenmaterial in RSS und XML zur Verfügung zu stellen.

Today, however, the state of government’s online offerings is very sad indeed. Some nominally publicly available information is not online at all, and the data that is online is often not in useful formats. Government should be encouraged to release public information online in a structured, open, and searchable manner. To the extent that government does not modernize, however, we should hope that private third parties build unofficial databases and make these available in a useful form to the public.

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Datenbank für Parteispenden

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